"Jeder Tritt zertrümmert unzählige Buddha-Reiche !

Jeder Blick verstummt ganzes Dharmakaya !"

Freitag, 21. September 2012

DIE 10 MARAS – ERKENNUNGSMERKMALE FÜR ZEN PRAKTIKER


DIE 10 MARAS – ERKENNUNGSMERKMALE FÜR ZEN-PRAKTIKER


VORWORT
 
Mara? Gespenst? Im Tageslicht? Also liebe Traumwanderer verbreitet keine weitere Verwirrung, damit die Leute nicht noch mehr verwirrt und in die Irre getrieben werden. 'Mara' oder 'Nicht-Mara' hängt eigentlich von uns ab. Ein Denkimpuls, den wir nicht zum Stehen bringen können, gilt schon als Mara, das uns in den Kreislauf der Wiedergeburt verführt. Ebenso wird dann mit jedem Denkimpuls, über welchen wir Herr sind, unser Land ein friedliches Land. Das bedeutet: Wo verstecken sich die Maras, wenn nicht zuerst in unserem eigenen Selbst?

In den internen Kreisen des Zen gibt es eine bekannte Methode der Mara Bekämpfung und zwar: „Herr über die Zerstreutheit des eigenen Geistes sein, damit die verkehrte, die wahnsinnige Zerstreutheit des eigenen Geistes zum Stehen gebracht wird.“ Wenn die Zerstreutheit des eigenen Geistes einigermaßen gezähmt wird, wenn der Hausherr die Macht über sein eigenes Haus besitzt, wozu dann noch das Gerede über Mara oder Nicht-Mara? Letztendlich ist Mara oder kein Mara nur ein Betrachtungswinkel im Aspekt der begrifflichen Zusammenfassung. Eines ist wichtig für Zen-Praktiker, welche auf dem Buddha-Weg unterwegs sind: Niemals an irgendeiner Haltestelle stehenbleiben, sondern strebsam geradeaus gehen, damit sie in ihrem Wahren Zuhause ankommen können. Es gibt nichts, weder etwas, was wir greifen können, noch etwas, was wir festhalten können. Sondern ganz im Gegenteil: Loslassen, nochmals loslassen, ganz blank loslassen. Erst dann wird die Wahrheit erscheinen.

Daher müssen wir über die Mara-Erkennungsmerkmale und die Mara-Bekämpfungsmethoden der Alten Bescheid wissen. Diese Mara-Erkennungsmerkmale sind wertvolle Schätze der Alten, die von Generation zu Generation an uns weitervermittelt wurden. Das Wissen darüber ist für uns äußerst hilfreich. Wenn wir wie der König unter den Gänsen, nicht nur in der Lage sind, Milch und Wasser zu unterscheiden, sondern vielmehr 'nur Milch zu trinken und nicht das beigemischte Wasser' – dann versteht sich, dass dieses Wissen nutzlos für jemanden ist, der statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nur kreuz und quer an jeder Kleinigkeit festhält. Dafür vergeudet er die wertvolle Zeit und verpasst lebenslang das Leben. Mag sein, dass es noch schwer ist, obige Worte anzuerkennen, doch diese sind ehrliche Worte für die gleichgesinnten Freunde des Zen.

Hochachtungsvoll
Zen-Kloster Thuong Chieu, 1995
Bikkhui Thich Nhật Quang


***

EIN ZEN-PRAKTIKER MUSS DIE 10 MARAS DURCHBLICKEN

Autor: Großer Zen-Meister Siêu Minh
Abhandlung durch Zen-Meister Thích Nhật Quang

Dass jemand, der das Wesen des Zen erblickt, dem Weg des Zen folgt, ist nicht nur keine alltägliche Sache, sondern vielmehr eine in sich exzellent gemeisterte Leistung. Daher könnte sein Rechtes Samadhi sehr leicht von Maras – innen wie außen – herausgefordert und gestört werden. Wenn er den trügerischen Schein von sich selbst aus nicht beherrschen kann, wird daraus eine 'Vorliebe' für diesen entwickelt und eine gegenseitige Abhängigkeit könnte die Folge sein. Denn des Scheins wegen wird der Geist in Aufruhr geraten. Das Verfangen in der Falle der Maras wäre die Folge. Hier ist folgendes zu sehen: Der gesäte Samen an sich ist heilsam, die geernteten Früchte jedoch nicht. Die Ursache ist das Eine und die Wirkung daraus das Andere.

Geehrte einsteigende Zen-Praktiker der nachkommenden Generation: 
Seid äußerst auf der Hut !!!

Wichtig ist der Einsatz der Weisheit, um diese tiefgründig zu durchleuchten. Sobald Mara des Geistes, aber auch Mara als Himmelswesen erscheinen, werden sie grundsätzlich mit der Bodhi-Weisheit durchleuchtet, dann werden sich die Maras in sich auflösen. Wenn der Geist von reiner Klarheit leuchtet, werden sich alle Schwierigkeiten und Hindernisse wie von selbst auflösen. Gibt es noch etwas, was vor den Himmels-Maras ängstlich werden könnte? Für Maras aller Sorten ist es unmöglich, einen wahrhaftigen, aufrechten Geist eines wahrhaftigen Menschen zu verführen. Nachfolgend werden die 10 Maras namentlich im Einzelnen erläutert:

Als Zen-Praktiker muss man [schon] die 10 Maras unterscheiden können:
Die 10 Merkmale für die Erkennung oder Aufdeckung der Maras:

1. GENERATIONSÜBERGREIFEND, HINDERNISVOLL-WIRKENDES MARA

    Wirkt über die Lebensspanne hinaus

2. EXTERNE MARAS

    Wirkt verführerisch und störend von außen

3. TRAUER MARA

    Verursacht Trauer, Jammer und Depression

4. MARA DER EINGEBILDETEN EINSICHTEN

    Ein Sich-Verfangen in den eigenen eingebildeten Einsichten und
    Wertvorstellungen

5. MARA DER NICHT WAHRHAFTIGEN SICHT
    Ein Festhalten an nicht wahrhaftigen und einseitigen Einsichten

6. MARA DER ZERSTREUTHEIT

    Zerstreutes Denken, Phantasie und Illusionen

7. MARA DES MUNDWERKES

    Karmisches Mundwerk als Mara

8. MARA DER KRANKHEIT

    Leidvolle Krankheit als Mara

9. MARA DES SCHLAFES

    Schlafsucht als Mara

10. DEVAS MARA

      Mara als Devas und Himmelswesen


1. GENERATIONSÜBERGREIFEND, HINDERNISVOLL-WIRKENDES MARA
Über die Lebensspanne hinaus wirkendes Mara

Dieses Mara ist unser eigenes hindernisvolles Karma, welches uns über mehrere Generationen hinaus begleitet. Denn seit jeher irrt unser Leben im Wiedergeburtskreislauf hoch und tief herum, innerhalb von Unwissenheit und Verblendung. Seit jeher ist unzähliges Karma durch Unwissenheit erzeugt worden. Karma der Untreue, der Undankbarkeit, des Unmenschlichen, der Kaltherzigkeit. Dazu noch töten, einbrechen, sexuelle Übeltaten, Zerstreutheit, Begierde, Zorn, Verblendung, verblendete Liebesbegierde.

Karmas, die sich seit vielen Leben und Existenzen anhäufen, welche als Ursache verfestigt und verknotet sind, entfalten ihre Wirkung und treffen sich im heutigen Leben wieder. Jetzt in diesem Leben wollen wir den großen Weg befolgen, unser eigenes Karma tritt wieder aus dem Hintergrund hervor, macht Lärm, stört uns scheinbar und legt uns Steine auf unserem Praxisweg. Wir müssen sehr viel Mut und Selbstentschlossenheit aufbringen, um diese Hindernisse einmal aus Reue zu betrachten. Wenn wir in der Lage sind, die Unterstützungskräfte der 'Drei Juwelen' anzuerkennen, wird dieses generationsübergreifend, hindernisvoll-wirkende Mara von sich selbst aus erlöschen.

Dazu sollen wir auch grenzenlos heilsame Gelöbnisse zum Wohlergehen aller Lebewesen ablegen, damit die Früchte des Weges von Fäulnis befreit sind und die Bodhi-Erleuchtung nicht mehr fern ist.

Liebe neue Lehrlinge des Zen: Bitte seid kraftvoll, reflektiert euch selbst, seid bewußt und ermutigt.


ERLÄUTERUNG ZU 1

Wiedergeburt für Wiedergeburt, endlose Wiedergeburten – uferlos ist das Meer des Leides, auf dem Lebewesen herumtreiben. Lebewesen, die noch verblendet sind, können niemals die ultra-über-feinstoffliche Welt, die in ihnen und rund um sie herum ist, erblicken, geschweige denn sie verstehen. Wer kann denn sicher sagen, wie sein Morgen aussieht? Wer durchschaut sein eigenes Karma, um mit Sicherheit zu sagen, wie es in der Vergangenheit war oder in der Zukunft aussehen wird? Es gibt jemanden, der beiläufig hört: "Mein Alter ist mit dem Himmel und der Erde gleich." Doch dann äußerte er gleich dazu: "Was für ein Unsinn! Was ist denn das schon für ein Ich, das mit dem Alter so grenzenlos sein kann?"
 
Versuche mal etwas zu folgender Aussage zu äußern – Welchem Weg es angehört und was es zu bedeuten hat: "Geboren-sein wie im Winter, von einer Wolldecke zugedeckt. Sterben wie im Sommer, von Kleidern befreit." Na, was ist? Sage! Oder wieder: "Träume im Träumen."

Trotz alledem werden diese zeitlosen, raumlosen Reiche sehr selten von Jemandem betreten, auch von Keinem, der das unbedingt will. Na dann, bitte weiter verleben, bitte weiter verspielen bis zum Ende jener Träume. Eines Tages, wenn er zurückblickt über die ganzen Hochs und Tiefs, um sie zu bereuen, wird bestimmt auch der Tag kommen, an dem der Körper sich zersetzt, der Geist wird sich unwiderstehlich zertrümmern und alles ist zu spät. Deswegen: Solange derjenige noch keine übermächtige geistige Kraft besitzt, muss er noch stets bereuen, sich selbst reflektieren, muss er noch die grenzenlose Kraft der 'Drei Juwelen' zu schätzen wissen und in Anspruch nehmen. Nur so kann er seine eigenen 'Träume im Träumen' niederreißen. Dazu ist es von großer Bedeutung, Gelöbnisse – so grenzenlos wie der Raum – abzulegen. 

Bereit-sein, in die scheinbare Welt einzutreten, die scheinbaren Lebewesen zu befreien, die scheinbare Buddhaschaft zu vervollkommnen.


2. EXTERNE MARAS
Verführerisch und störend von außen wirkend

Dieses Mara wurde noch zusätzlich als Störer genannt, der uns die Hindernisse auf den Weg stellt. Sie sind unglaubwürdig, untreu, engstirnig. Ihre äußere Erscheinung ist von edlem, erhabenem bis hin zu sehr unausgebildetem Charakter. Sie wirken auf die Zen-Praktiker so schleichend, dass sie sich gestört und belästigt fühlen und dass selten eine Ruhe erreicht wird. Die Fehler hier sind im Allgemeinen auf Seiten des Zen-Praktikers.


Mögliche Fehler:
  • Erstarrt und unflexibel sein
  • Mit Wissen nicht ausreichend ausgerüstet sein
  • Sittenlos sein
  • Selbstverherrlichend sein
  • Egozentrisch sein
  • Wahre Worte auf entblößende Art äußern
  • Grobe Handhabungen tätigen
  • Machthaberisch bis machtbesessen sein
  • Überlegenheit betonen
  • Unrechte Rede und böse Worte
  • Selbstlob und -schönfärberei
  • Besessen darauf, Fehler des Anderen zu kritisieren [Kritikbesessenheit, zänkisch]
  • Man strahlt von Natur her keine innerliche Güte aus
  • Ohne Hochachtung sein
  • Ohne Geduld sein
  • Engstirnig sein

Alle Arten der oben genannten Verfehlungen erzeugen kein Vertrauen bei den Menschen. Sie treten den Zen-Praktikern immer in unerwarteten Momenten entgegen und fordern sie heraus. Die beiden Parteien bilden somit einen unbewussten, verhängnisvollen interaktiven Prozess, der sich schließlich zum Nachteil der Zen-Praktiker auswirkt. Sein Geist ist stets zerstreut und in Schwankung geraten, so dass er selbst dazu beiträgt, seiner eigenen klaren Bewußtheit des Geistes einen Riegel vorzuschieben. Daher gibt es mahnende Worte für denjenigen, der den Zen-Weg als den Mittleren Weg seines Lebens wählt: Er sollte stets in der Lage sein, sein eigenes Ego niederzukämpfen, die moralischen, ethischen Werte stets zu pflegen. Damit können die Hindernisse durch den fremden Störer minimiert werden.


ERLÄUTERUNG ZU 2

Von den charakteristischen Eigenschaften der Bewußtheit des Geistes ['Bodhi' oder 'Buddha-Natur'] aus betrachtet, sind alle Menschen gleichermaßen berechtigt und es gibt keine Unterschiede. Jedoch ist der Stand ihrer karmischen Eigenschaften sehr verschieden. Die innerlichen, ethischen Werte und die geistige Entwicklung eines jeden sind noch auf dem Weg zur Vervollkommnung. Wenn die ethischen Werte nicht gepflegt werden, wird die Vervollkommnung des Geistes vernachlässigt, werden Verblendung, Unwissenheit und Hindernisse angehäuft, so dass der Weg zur Vervollkommnung des Geistes noch aussichtsloser wird. Über die rechte Lebenskunst unter den weltlichen Leuten sind folgende mahnende Worte überliefert: "Mit dir selbst sei streng und straff, gegenüber anderen Leuten aber sei großzügig und tolerant." 

Der Weg der großen Befreiung ist aber eine völlig andere Dimension. Paramita-Weisheit – die essenzielle Wurzel –, durch die alle geistigen Vervollkommnungsprozesse gedeihen können. Wobei die Vernichtung des falschen Selbst und des egoistischen Festhaltens von großer Bedeutung ist. Gibt es hier überhaupt noch einen Platz für engstirniges, geistiges Festhalten? Ist es nicht sinnlos, an den oben genannten Verfehlungen weiter festzuhalten?

Buddha hat uns gelehrt:
"Die unbeständigen Wandlungen sind Dharma der Entstehung und des Verlöschens."

Die Patriarchen formulieren das so um: „Ihr sollt mit eurem Durchfall all eure Standplätze, die ihr habt, übersäen, danach habt ihr einen sauberen Platz auf dem ihr sitzen könnt.“ Von einer Seite her betrachtet, schwimmen wir seit jeher hoch und tief in den sechs Daseinsbereichen, weil wir die dualistischen Sichtweisen stets mitschleppen: „Hier ich, dort Leute; Gut und Böse; Sein und Nicht-Sein, etc. …“ Das ist der Grund, weshalb wir hoch und tief innerhalb der Drei-Weltall-Sphäre, Vier-Wiedergeburtsformen herumirren. Worauf wartet ihr? Auf welches nächste Leben wartet ihr noch? Wieso bewegt ihr euch noch nicht weg von der Stelle, nicht gleich hier und jetzt? Noch nicht mit einem großen Schwung aufgestanden? Noch keine Freude gesät? Das Licht der Weisheit für die zukünftige Generation noch nicht erleuchten lassen? Schau da!

… Erleuchtungsgesang: [An dieser Stelle folgt noch ein Erleuchtungsgesang]


3. TRAUER MARA
Trauer, Jammer und Depression

Dieses Mara wurde auch als noch nicht gefestigtes, hindernisreiches Mara [primär wirkende Phase] bezeichnet. 'Trauer' in diesem Sinne wurde des weiteren in zwei Kategorien unterteilt: 
Die erste: Die Reaktion des zerstreuten Geistes auf äußerliche Reize. 
Die zweite: Der unmittelbar danach in Bewegung gesetzte interaktive Verarbeitungsprozess innerhalb des Geistes. Beide Kategorien interagieren miteinander. Diese Interaktion empfindet man als 'Trauer': Wenn ein Zen-Praktiker noch nicht in der Lage ist, diese 'Trauer' zu bewältigen, wird sein Weg in Verwirrung münden. Die 'Trauer' sollte auf einen Schlag verabschiedet werden. Wenn dieses nicht der Fall ist, wird es ihm sehr schwerlich sein, in den Reinen Samadhi einzutreten. 

Folgen jener 'Trauer' sind z. B.:
  • Sobald die Schönheit als Form betrachtet wird und der Geist geschlechtlich in 'Aufruhr' gerät, hat die 'Trauer' durch Liebes-Begierde und sexuelle Begierde einen Anfang. 
  • Sobald das Töten gesehen wird und der Geist in 'Aufruhr' gerät, hat die 'Trauer' durch Boshaftigkeit einen Anfang.
  • Sobald Hab und Gut des Anderen betrachtet wird und der Geist in 'Aufruhr' gerät, hat die 'Trauer' durch Diebstahl einen Anfang. 
  • Sobald begehrte Gegenstände betrachtet werden und der Geist in 'Aufruhr' gerät, hat die 'Trauer' durch Begierde einen Anfang. 
  • Sobald die Vorstellung einer Überlegenheit seiner eigenen Person gegenüber anderen Menschen entsteht, hat die narzisstische 'Falsche-Selbst-Trauer' einen Anfang. 
  • Sobald gegenüber den niederen Rängen eine hochnäsige Haltung entsteht, hat die 'Egozentrische-Trauer' einen Anfang.
  • Sobald unliebsamen Situationen mit Ärger begegnet wird, hat die 'Trauer' durch Wut einen Anfang. 
  • Sobald sich angenehme Situationen ereignen und mit Freude reagiert wird, hat die 'Trauer' durch Anhaften einen Anfang.
  • Sobald Ungerechtigkeit erlebt wird und Rachegefühle entstehen, hat die 'Trauer' durch Hass einen Anfang. 
  • Ebenso, wenn mit den liebsten Gleichgesinnten Zuneigung und Beliebtheit entwickelt werden und daran festgehalten wird, hat die 'Trauer' durch Zuneigung einen Anfang.
Wenn durch äußeren Schein und Reize der Geist in Unruhe und Aufruhr geraten ist, wird eine Strategie der Begierde und des Festhaltens bzw. Ablehnens entwickelt, an der man festklammert. Sie wird gleichsam als 'Trauer' bezeichnet. Und hier sind die interaktiven Prozesse zwischen äußerlichen Reizen und den Erscheinungen des darauf reagierenden Geistes unbegrenzt und schwer aufzählbar. [Hierzu die Lese-Empfehlung des Übersetzers: "Die Lehre des manifestierten Geistes"]

Daher sollen die Zen-Praktiker diese 'Trauer' mit Entschlossenheit durchblicken und überwinden. Nochmals zu wiederholen: Wenn dies nicht der Fall ist, wird der Rechte Samadhi zu sehr gestört sein. Verehrter Zen-Praktiker der nachkommenden Generation: Sei auf der Hut, nimm diese geistige 'Trauer' ernst und betrachte sie als große Herausforderung!


ERLÄUTERUNG ZU 3

Noch vom Schein in die Irre geführt, wird daraus 'Trauer' entstehen. Weil der Wahre Geist noch nicht erblickt wurde, lässt sich der Schein schwer entlarven. Es wird vorgetäuscht, getrübt, vorgegaukelt. So ist der Schein: nur Verwirrung. Wenn man im Schein verstrickt ist, lassen sich alle Hindernisse nur schwer überwinden. Hierfür gibt es die Worte des Alten, die besagen: "Alles, was durch die Tür hereingebracht wird, sind keine wahren Schätze des eigenen Hauses." Was bedeutet hier die 'wahren Schätze des eigenen Hauses'? Das ist der Ureigenbesitz von jeder/jedem, stets vollkommen, von Natur aus ist der Grund des Seins, beim Ungebildeten wie aber auch beim Heiligen, gleichermaßen nicht verschieden. Weder erzeugt noch erloschen, raumlos und zeitlos. Daher auch der reine klare 'Mittlere Weg' genannt. Wie schon gesagt, wenn man zwischen Schein und Sein noch nicht unterscheiden kann, wird man von unzähligen Kleinigkeiten in die Irre geführt, wie eine Katze die Lichtflecken an der Wand mühsam einfangen will. Sehr leidvoll. Wenn man dieser 'Trauer' noch nicht entkommen kann, dann verstricken sich selbst Könige und Geistliche aller Zeiten im Leid. Vom Leben verweht und verpasst doch das Leben. Der Weg zur Wahren Heimat rückt weit in die Ferne. Dieses Mara zu erkennen ist nicht eine Sache von heute und morgen, ganz zu schweigen davon, den Wahren Geist zu erblicken.
Leidvoll! Sehr leidvoll!


4. MARA DER EINGEBILDETEN EINSICHTEN
Sich verfangen in den eigenen eingebildeten Einsichten und Wertvorstellungen

Diese Maras sind geistiges Festhalten an den hypothetischen Grundsätzen des Geistes [Sekundäre Phase], welche sich als 'Hindernisse bedingt durch das dualistische Wissen' darstellen. Ein Zen-Praktiker, der diese Hindernisse nicht erkennt und bewältigen kann, wird in seinem Rechten Samadhi wesentlich gestört und wahre Ruhe wird nicht erreicht. 

Warum? Weil sich der Zen-Praktiker dessen bewußt ist, dass er den höchsten Entwicklungsgrad des Geistes erreicht hatte. Und daraus bildet er sich unzählige Selbsterkenntnisse ein:

Er weiß, dass er …
  • die 'Erleuchtung' erreicht hat
  • 'Buddhas-Siegel' durch und durch geblickt hat, dass er des Wesenskern von Buddhas-Lehre mächtig ist
  • einen 'höchst-weisen Gelehrten' verkörpert
  • mächtig in der Literatur Zusammenfassungskraft und Überblick besitzt und in dem ganzen intellektuellen Bereich 'grandios' ist
  • Ordensregeln 'vorbildlich' und 'strebsam' eingehalten hatte
  • den 'Rechten Samadhi' erreicht hatte
  • 'Allwissenheit' erreicht hatte
  • die 'Leerheit vervollkommnet' hatte
  • die 'absolute Freiheit' erreicht hatte
  • 'ganz und gar hindernisfrei' ist
  • die 'übernatürlichen Kräfte' erreicht hatte
  • die Fähigkeit der 'Wundertaten' erreicht hatte
  • den 'Weg vollkommen verwirklicht' hatte
  • die 'Buddhaschaft erreicht' hatte
  • etc.
Dieses ganze Wissen sind Hindernisse des geistigen Festhaltens. Wenn diese nicht zur Seite gelegt und überwunden werden, folgt das größte Hindernis, welches als Dharma-Festhalten bezeichnet wird. Wenn ein Festhalten am Dharma noch nicht losgelassen werden kann, erscheint auch der Wahre Geist nicht. Zen-Praktiker der modernen Kreise sollten sich selbst ermutigen, um solche Fehler zu erkennen, damit sie diese so früh wie möglich beseitigen können.


ERLÄUTERUNG ZU 4

Dieser Fehler wird wie folgt deutlich dargestellt: Gerade wenn man den objektiven, illusorischen Schein loslässt, greift man wieder auf den subjektiven Geist zurück. Anders gesagt, die objektiven, imaginären Illusionen sind zwar 'losgelassen' worden, dafür wird aber an dem subjektiven Geist festgehalten. Das Pendeln zwischen Festhalten und Loslassen wird endlos wiederholt. Auf diese Art und Weise ist der Zen-Praktiker auf Wanderschaft. Vergeblich ist seine Suche nach dem Heil, vergleichbar einem Traum. Denn die Verblendung ist zur Seite, Zerstreutheit als Leid ist vorübergehend überwunden. Übrig bleibt das Mara des Dharma-Festhaltens. Dieser Prozess gehört zu den äußerst schwierigen Hindernissen. In Kreisen der Bodhisattvas des Elften-Grades bleiben immer noch diese winzigen objektiven Verblendungen. Für einen Zen-Praktiker, der sein Fundament der Paramita-Weisheit so weit entwickelt hat, ist es nicht zu schwer, auch das zu überwinden. Er braucht nur 'auf der Mitte des Buddha-Weges' zu bleiben, dann wird er auch dieses Mara in die Knie zwingen.

Zusammengefasst: Zwischen Buddhas und Maras gibt es keine Grenze. Allesamt sind sie nicht echt. Noch dualistisch betrachtet, wird ein Festhalten unvermeidbar. Ganz egal wie, so oder so – Festhalten ist Festhalten gleich Mara. Sobald die dualistische Unterscheidung, die Stützung der Sichtweisen auf Sein oder Nicht-Sein zerstört wird, wird direkt mittendrin das Reich der vollkommenen Leere erscheinen, das geburt- und todlose Tathagatha-Reich. Jetzt ist alles Begriffliche, 'Buddhas' oder 'Mara' unbegründbar. Jetzt gibt es weder einen Hauch noch einen Schatten von Dharma oder Nicht-Dharma, ist ganz und gar leergefegt. Jetzt ist das Reich des Nirgend-Dharma zu praktizieren, Nirgend-Buddha zu erlangen [Es gibt weder 'Dharma' noch 'Buddha' zu vervollkommnen]. An dieser Stelle ist eine theoretische Leerrederei strikt 'tödlich'. Statt dessen ganz und gar loslassen. An dieser Stelle ist der förderliche Weg die rechte Strebsamkeit in der Praxis!

Strebsam sein! Strebsam sein!

Die entschlossenen Worte des Tathagatha unter dem Bodhi-Baum erklingen noch frisch: "Wenn die Früchte des Weges nicht erreicht werden, selbst wenn dieser Körper zu Staub zermahlen wird, gelobe ich, diesen Platz niemals verlassen."

Kraftvolle und grenzenlose Strebsamkeit! Dies sind Buddhas schlagfeste Worte des grenzenlosen Mitgefühls und der Weisheit. Worte Buddhas, des Meisters der Drei Weltall-Sphäre. Seine Worte zerstören die Kette aller drei Welten. Worte sind wie Tageslicht, das die Verblendung der Lebewesen durchleuchtet.

Wir sind noch vom Leid übersät. Auch nur dem Echo deiner Worte sei Dank, einen Weg aus dem Leid zu finden. Daher geloben wir durch unsere rechte Strebsamkeit, deine wahrhaftigen Worte in die Ewigkeit erschallen zu lassen.


5. MARA DER NICHT WAHRHAFTIGEN SICHT
Festhalten an nicht wahrhaftigen, einseitigen Einsichten

Dieses Mara wurde öfter als Hindernisse durch das Festhalten bezeichnet. Um nicht in das falsche Samadhi zu gelangen, muss ein Zen-Praktizierender strikt die nicht wahrhaftige Sicht verabschieden. Wieso vernichtet die nicht wahrhaftige, 'unrechte' Sicht das Rechte Samadhi? Die Objekte des Festhaltens könnten z. B. so aussehen:
  • 'Alle Phänomene sind unzerstörbar' nennt man das Festhalten an einem 'Sein' / 'Das Sein ist unzerstörbar' – wurde als 'Festhalten an Sein' bezeichnet.
  • Das Festhalten an der Sicht, dass alle Phänomene ohne Zusammenhänge sind, sie in sich leer sind und Nichts ihr Inhalt und ihre Bedeutung ist, wurde hier als 'Festhalten an Nichts' [Nihilismus] bezeichnet.
  • Das Festhalten an der Sicht, dass alle Phänomene unsterblich sind, wurde hier als 'Festhalten an Beständigkeit bzw. Unvergänglichkeit' bezeichnet.
  • Das Festhalten an der Sicht, die das Auslöschen eines Phänomens als ein endgültiges Erlöschen, als ein Verlorengehen der Phänomene betrachtet, wurde hier als 'Festhalten an einer endgültigen Beendigung solcher Phänomene' bezeichnet.
  • Das Festhalten an der Sicht, dass alle Phänomene aus dem Nichts, von sich selbst aus entstehen, wurde hier als 'Festhalten an Naturalismus' bezeichnet.
  • Das Festhalten an der Sicht: 'Chi' wird in Formen verwandelt/manifestiert, wurde hier als 'Festhalten desjenigen, der die eine irrige Sicht' vertritt, bezeichnet.
Solches Festhalten an Nicht-Sein auch nicht Nicht-Sein oder Sein oder Nicht-Sein – alles ist falsches Festhalten und falsche Sicht. Ebenso: 'ohne Ursache und Wirkung' bzw. alles ist 'von Natur aus', 'von sich selbst aus manifestierend'. All solches Festhalten ist nicht frei von dualistischen Sichtweisen: Zwischen Sein und Nicht-Sein, und zwischen vollständigem Auslöschen/Vernichtung und Beständigkeit. All dieses Festhalten führt von der rechten Kontemplation ab und endet langsam in den verzweigenden Irrwegen.


ERLÄUTERUNG ZU 5

Wenn die Sichtweise noch dualistisch erfolgt, wird der Geist noch weiterhin von Zerstreuung belästigt. Wenn du die Zerstreuung abschneiden willst, gib bitte die dualistischen Sichtweisen auf! Um das Reich des 'Nicht-mehr-Dualistisch-sein' zu erreichen, gibt es nur einen Weg: "Stets bewußt – sobald zerstreut, gleich davon loslassen!" Alles loslassen, nichts festhaltend, dann kehrt die Ruhe von selbst ein. Dafür gibt es maßgebliche Worte des Alten: "Der Wahre Geist kann nicht gefunden werden." Dieses 'Kann-nicht-gefunden-Werden' ist das, was es 'ganz und gar nicht mehr festzuhalten gilt'.

Daher erinnern wir uns an Bodhidharmas Worte: 
"Da! Gerade habe ich deinen Geist für dich gestillt!"

Wahrlich eine ungewöhnliche Wunder-Didaktik der Bodhidharma Lehrmethode. Diese war noch nie vorgekommen, denn diese Methode wurde als 'Methode ohne Methode' bzw. 'Dharma Adharma' bezeichnet. Sie lässt ganz und gar keine Spur hinter sich, diese 'Methode' ist wahrhaftig das 'Leere Samadhi'. Diese einzigartige Lehrinteraktion ist nur unter einer sehr engen Schüler-Meister-Beziehung möglich. Für die 'Außenstehenden' gibt es kein einziges Schlüsselloch, durch das man blicken kann. Trotzdem ist das Tor zu Buddha-Dharma weit geöffnet – der 'Nektar der Weisheit' steht jedem offen. Das Mitgefühl und die Güte Buddhas und der Patriarchen sind durch und durch ohne Grenzen. Wir sollen uns selbst ermuntern, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, damit nicht zu viel nutzlose Zeit in die Irrwege investiert wird. Denn 'das Wesentliche' ist nicht außerhalb von uns. 

Wenn Zen-Praktiker ihren Geist nicht zähmen können, wenn sie ihrem Geist freien Lauf gewähren, wird jener Geist, aller Schein und imaginäre weltliche Gebilde zum Verhängnis werden. Sie werden von unzähligem hindernisvollen Festhalten in die Irre geführt, z. B. Ja/Nein, Sein/Nicht-Sein, Beständig/Unbeständig und so weiter und so fort. Solche Abgleisungen führen langsam weit weg von dem rechten Mittleren Weg. Dadurch wird die Wahrheit 'Offene Weite ohne Hindernisse' verdeckt und so gleichsam zum Hindernis werden. Das Wesen der Wahrheit, von der hier die Rede ist, ist das 'Adharma', anders gesagt 'Non-duales Dharmakaya'. Wenn diese 'Wahrheit', 'die Mitte des Mittleren Weges', 'die letztendliche und vollkommene Leerheit', wenn diese 'Wahrheit' noch nicht durchleuchtet ist, dann sind die Tore der dunklen Irrwege offen, versteht sich. So wird ein Zen-Praktiker in die Mara-Wege irregeführt. 

Somit scheint es, dass ein Zen-Praktiker zwar auf dem Mittleren Weg geht, aber geistig ist der Keim der Irre weiter gesät. Mündlich verbreitet er das Böse, plant und prophezeit, Umwege sind sein Weg. Auf diese Art und Weise unterwegs, ist die Niederlage vorprogrammiert. Gleichgültig, wie mächtig seine 'übernatürliche Zauberkraft' ist, sie geht auch bald verloren. Der Zen-Praktiker verschaukelt sich und verliert zunehmend das Gleichgewicht. Von der äußerlichen Erscheinung her verkörpert er in sich das kränkliche Übel der geistigen Irre. Schließlich steht ihm der Weg der niederen, dunklen Daseinswelten/-wege offen.

Daher sollen Zen-Praktiker stets auf der Hut sein, äußerst vorsichtig, Schritt für Schritt. Sich behutsam von Illusionen fernhalten, von allem Festhalten fernhalten. Sie sollten die Wurzel des Festhaltens an einem falschen Selbst abschneiden, die Nährstoffe für narzisstische Illusionen meiden, ganz und gar vermeiden. Gleichzeitig sollten sie mit vollem Mut, Kraft, Entschlossenheit, Fleiß und Strebsamkeit für das KungFu-ZaZen vorangehen. Sie sollten so entschlossen sein, Gelöbnisse abzulegen, dass sie mit ihrem KungFu des ZaZen mit voller Kraft einmal nach vorne vortreten. So kraftvoll, dass sie mit einem Stoß den Berg der Unwissenheit/Verblendung noch im jetzigen Leben zum Umsturz bringen – auch mit dieser Kraft die letzte Hochburg des Falschen-Selbst-Festhaltens zu zerschmettern. Vergesst bitte nicht den bewährtesten Spruch des Alten: "Die Willenstriebkraft eines Mannes ist von der Natur her himmelsgleich …"
Hab ich überhaupt etwas gesagt?


6. MARA DER ZERSTREUTHEIT
Zerstreutes Denken, Phantasie und Illusionen

Dieses Mara ist ein Selbsthindernis. Wenn diese Selbsthindernisse nicht 'leer' aufgeräumt sind, dann fließt der 'Fluss der Wiedergeburt und des Verlöschens' unendlich. Daraus wird Wahn und Einbildung gestreut und verbreitet und zu einem unüberwindbaren Hindernis stabilisiert. Daher müssen Zen-Praktiker sorgfältigst an dieser Stelle aufpassen. Hier werden ein paar namhafte Beispiele vorgestellt:

So zerstreut in der Einbildung, dass … 
  • "ich schon erleuchtet bin."
  • "ich die Praxis verwirklicht habe."
  • "ich den Samadhi erreicht habe."
  • "meine Weisheit sich entfaltet hat."
  • "ich sehr viel weiß."
  • "ich literarisch talentiert bin."
  • "ich Ruhm und Ansehen erreicht habe."
  • "ich von den Massen verehrt werde."
  • "ich Meister über die ganze Welt bin."
  • "Leute Schutz bei mir suchen."
  • "ich die Übertragung des Patriarchen-Siegels in Empfang nehme."
  • "ich Abt werde."
  • "ich den Buddha-Dharma belehre."
  • "ich die Patriarchen-Worte weitervermittle."
  • "sehr viele Leute meinem Weg folgen."
  • "ich in den heiligen Strom eintrete."
  • "ich übernatürliche Fähigkeiten besitze."
  • "ich Wunder wirke."
  • "ich etwas Besonderes bin."
  • "ich auserwählt bin."
Und ähnliche unzählige Zerstreuungen in den abartigen Einbildungen, wie: "Ich werde sehr lange leben.", "Ich werde mich verjüngen.", "Ich bin erleuchtet.", "Ich werde Buddhaschaft erreichen.", … Solche wahnsinnigen Zerstreuungen zerstreuen unseren Geist zu sehr, wirbeln unseren Geist auch zu sehr durcheinander, so dass das Ganze als Gegensatz zu unserem Wahren Geist steht. Das Ganze ist ein großes Hindernis. Daher müssen die Anfänger des Weges die oben genannten Hinweise tiefgründig erkennen, damit sie sie bekämpfen können.


ERLÄUTERUNG ZU 6

Weil unser Wahres Wesen des Geistes noch verdunkelt ist, nehmen der Wahn, die Einbildung und Zerstreutheit des Geistes kein Ende. Wenn die Zerstreuung in Bewegung ist, dann wird der Wahre Geist zugedeckt. Sich verirren in Verblendung, Unwissenheit, Wahn und Zerstreutheit bedeutet auch, dass das wahre, reine Wesen des Geistes tief unterdrückt wird. Ähnlich wie jemand, der in der Nacht spazieren geht ohne Lampe und Laterne. Dazu lehren aber die alten Meister: "Wenn der Boden des Wahren Geistes von offener Weite und leer ist, dann leuchtet die Sonne der Prajna-Weisheit von sich aus durch und durch." 

Anders ausgedrückt: Wenn wir in der Lage sind, unsere Zerstreutheit des Geistes zum Stehen bringen zu können oder zu wollen, wird dem Wahn kein Platz mehr dargeboten. Was bedeutet hier 'sich einbilden' und 'Zerstreuung'? Schau genau hin! Das Wesen ist nur die Träumerei. Der Fehler ist, dass wir alles als 'Echt' festhalten und dem jagen hinterher. Vom Hinterherjagen bis zum Wahn ist es nicht mehr weit. Wenn von Wahn die Rede ist, dann ist Zerstreuung ohne Ende die Folge. Wenn wir hier an dieser Stelle erkennen und einmal stehen bleiben würden, hätte alle Art von Zerstreuung, Phantasie und Einbildung keinen Halt mehr. Von Festhalten ist nicht mehr die Rede. Was übrig bleibt, ist die Leerheit durch und durch. In der Leerheit – gibt es da noch etwas, das als Hindernis wirken kann? Sag mir ein Wort!

Schließlich hängt es von uns ab, ob wir 'stehenbleiben' wollen. Wenn wir 'stehen bleiben' würden, würde der Himmel durch und durch von Klarheit überflutet. Der 'Garten des Geistes' würde in Ruhe verwandelt. Kontinuierlich leuchtet das Licht der Weisheit durch und durch. Fehlt irgendwo etwas?

Wenn das nicht der Fall ist, dann verirrt sich die geistige Werdung auf unendlicher Wanderung und wird schließlich im Wahn enden. Leidvoll! So leidvoll! Dazu gibt es einen poetischen Vers:

Mächtig ist der Herrscher des eigenen Geistes,
Der der Zerstreuung nur bewußt, nicht verfolgt.
Alte Heimat – leuchtender Mond,
Alte Kiefern – grün rauschend der Bach.
Stets bewußt! Oh Freude, Herrscher des eigenen Geistes.
Dem, der das Reich des Wahren Geistes öffnet.
Der alte Pfad vor einem erscheint.
So fern das Wahre Zuhause nicht.
Duftig leuchtet der Mond, funkeln ein paar Sterne –
Heimat – der alten Liebe !
War noch nie getrennt.
Vom Himmel fallen Mandalablumen herab,
Auf dem allein ein Bauer durchspaziert.
Entgegen duftet der Wind der Befreiung.
Mitgefühl wie ein Blumenmeer.
Schneeweiß wie die Samadhi-Kraft.
Der Mond leuchtet wie noch nie –
Ein Schrei !!!


7. MARA DES MUNDWERKS
Karmisches Mundwerk als Mara

Dieses Mara ist eines der größten Hindernisse des Wahns. Wenn ein Zen-Praktizierender nicht in sein Reden aufpasst, er seinem Denken freien Lauf lässt, wird er zu einen mächtigen, unberechenbaren Redner verwandelt. Von da ist es nicht mehr weit, dass daraus ein Rabulist oder Sophist wird. Die Reinheit des rechten Geistes wird an Qualität einbüßen. Das Rechte Samadhi wird damit verloren gehen. Weshalb trägt das Karma des Mundes so viele Fehler mit sich? Da die Erklärung:
  • Wunderprophezeiung
  • Dharma-Wunder des 'internen Hauses'
  • Gibt an, erleuchtet zu sein
  • Kritisiert, dass der Rest dumm ist
  • Kritiker vom Feinsten
  • Bewertung über die Fehler der anderen Leute
  • Gedichte und Poesie
  • Zügellos über die belanglosen Dinge zu tratschen
  • Doppelzüngigkeit
  • Da liebevolle und dort dumme Leute
  • Dort aggressiv, aber talentiert
  • In endlose Streitereien, die ihn nichts angehen, einmischen
  • Grundlos über die Leute urteilen
  • Propagiert die Sexualität, so dass es die Begierde der Leute hervorruft
  • Diskutiert und gießt Öl ins Feuer der Streiterei der Leute
  • Vor den Augen wird gelobt, hinter dem Rücken wird geschimpft.
All solche Rederei schneidet sehr tief in das Rechte Samadhi des Zen-Praktizierenden. Diese sind wahnsinnige Hindernisse und reißen uns in den Abgrund des Verderbens. Daher sollten die Anfänger dies als Warnung annehmen und sehr vorsichtig mit ihrem karmischen Mundwerk sein.


ERLÄUTERUNG ZU 7

Karma gibt es drei: Körper, Mund und Denken. Das Mundwerk erzeugt vier Fehler:
  • Böse Worte, giftige Worte
  • Lüge
  • Verzerrung / Verfälschung
  • Doppelzüngigkeit
Wenn ein Zen-Praktizierender sein karmisches Mundwerk nicht geschickt unter Kontrolle zu bringen lernt, könnte daraus eine Katastrophe verursacht werden, es könnte daraus ein übler Wortverdreher werden. Seine unkontrollierten Worte sind Hindernisse auf seinem Weg. Insbesondere, wenn ein Zen-Praktizierender schon ein bisschen Erfahrung beim KungFu-Samadhi besitzt oder auch Erfolge und Früchte in der Zen-Praxis geerntet hat und sich dabei bestätigt fühlt, dass er doch 'etwas' verwirklicht hat. Von diesem Standpunkt aus, wenn sein Geist noch nicht zur wahren Ruhe gekommen ist, dann schadet ihm genau dieses 'etwas verwirklicht zu haben' selbst. Wenn genau an dieser Stelle jemand, der einen 'leuchtenden Blick' besitzt, alle karmischen Hindernisse des Mundes sofort erkennt, unternimmt er alles um diese zu unterbinden und um ein Gleichgewicht für den Rechten Samadhi wieder herzustellen. Wenn dies nicht der Fall ist, wird bei einem, der noch keinen Überblick und wenig Erfahrung besitzt, alles latente Ego und verblendete falsche Selbst auf einmal aufgewirbelt und unhaltbar losmarschieren. Auf diese Art und Weise wird er mitgerissen, wie wenn man eine Lanze wirft ohne loszulassen; wie ein leerer Eimer, der laute Geräusche trommelt. 

In der Realität: Wer verwirklicht hier etwas? Was habe ich verwirklicht? Der Geist ist noch vernebelt, noch stockdunkel ist der eigene Weg. Sei ehrlich mit dir selbst, schau um dich herum. Das Verblendungswerk hat sich seit Generationen noch keinen einzigen Schritt bewegt. Der Berg des Egos, des falschen Selbst ist seit jeher noch nicht zertrümmert. Leidvoll! Leidvoll! Was nützt das Zungen- und Lippenbekenntnis? Wenn der eigene Geist noch keine Ruhe gefunden hat, ist es dann nicht lächerlich, in den Fehlern der Leute zu bohren und in der Politik herum zu spekulieren? Schluss damit! Erkenne, dass die Tratscherei die Ruhe des eigenen Geistes verletzt. Wieso nicht an dieser Stelle einen Schlussstrich ziehen, dem karmischen Mundwerk eine Ruhe-Lektion erteilen. Sehr vorsichtig bei der Sache sein, wenn es ums Reden geht. Denn dank des Anhaltens des karmischen Mundes wird die Ruhe des eigenen Geistes erreicht, das eigene Samadhi wird tiefer befestigt. 

Zusammenfassung:
Ein Möchtegern, der unbewusst redet, wird zerstreut.
Der unbewusst mehr redet, schadet sich.
Anders ausgedrückt:
"Öfter reden, wird zerstreut – Mehr reden, schadet sich."
Die Worte der Alten: „Halte das Pupsen an, dann reden wir weiter.“ Wie herrlich diese Worte der Alten! Wir sind auch sprachlos. Wie herrlich das ist.


8. MARA DER KRANKHEIT
Leidvolle Krankheit als Mara

Dies ist auch ein leidvolles Hindernis. Ein Zustand, den wir 'schweres Karma' nennen, ist der, in dem der Körper viele Krankheiten erleidet. Die Ursachen sind vielfältig. Latente Krankheit könnte von sich aus ausbrechen und die Ursache für weitere Krankheiten sein, so dass der Praxisweg ständig voller Hindernisse ist, die schwer zu überwinden sind. Hierzu wurden einige wichtige Hinweise für die Zen-Praktizierenden vorgeschlagen. Zuerst sollte die Milz und der Magen reguliert und die entsprechenden Nahrungsmittel aufgenommen werden – deftige und fette Lebensmittel müssen vermieden werden. Hier noch weitere Vorbeugungsmaßnahmen für einen erfolgreichen Praxisweg:
  • Rohe und kalte Lebensmittel
  • Wenn hungrig, dann sollte die Rezitation [Gebet] gemieden werden
  • Nach dem Satt-Essen keine schweren Arbeiten verrichten
  • Nicht gleich nach dem Essen schlafen gehen
  • In der Nacht sollte das Satt-Essen vermieden werden
Es gibt sehr viel, das für unseren Körper nicht geeignet ist, aber es passt leider zu unserer Begierde nach volle Genuss. Lebensmittel, die die Gaumenfreude erwecken, sind die überwürzten und übermäßig gekochten Lebensmittel. Krankheitsfördernd ist, wenn man im Windzug schläft oder wenn man unter dem Erdniveau in feucht-kalten Kellerräumen meditiert. Krankheitsförderlich ist auch:
  • Verschwitzt ins kalte Wasser gehen
  • Bei heißen Temperaturen eiskalte Getränke zu sich nehmen
  • Genauso wie beim Baden im Windzug
  • Und schlafen im Nebel
Zusammengefasst: übersättigt, überhungrig, übereuphorisch, überzornig, überhitzt aber auch unterkühlt, langer Aufenthalt im Regen, viel Nebel. All diese extremen Belastungen sind Ursachen für Krankheitsbildung. Wenn diese Extreme nicht geschickt zu einem Gleichgewicht harmonisiert werden, sind sie Ursachen für schwere Krankheiten, die man latent ansammelt bis zu Hindernissen für den Praxisweg. Zen-Praktizierende sollen vorsichtig sein und entsprechend vorbeugen.


ERLÄUTERUNG ZU 8

Der Zen-Praktizierende sollte zuallererst erkennen, dass dieser Körper und seine ihn umgebende Umwelt Schein sind und nicht von Dauer. Dieser Körper ist die Frucht seines eigenen Karmas. Seine charakteristische Eigenschaft ist von Schein gekennzeichnet – flüchtig, vergänglich. Das Ganze ist der Unbeständigkeit unterworfen und trotzdem brauchen wir diesen Körper für den Praxisweg. Wir müssen diesen Körper auch entsprechend fördern und regulieren, so dass eine harmonisch gesunde Ruhe erreicht werden kann.

Nur dann kann unser Praxisweg auch entsprechend vervollkommnet werden. Die Erfahrung zeigt mit dem täglichen Essen, Trinken, Schlafen, Ausruhen, dass wir bei dem Ganzen immer dafür sorgen müssen, ein mittleres Niveau und eine Harmonie zu erreichen. Alles, was übermäßig ist, wird für spätere Extreme sorgen. Daher dürfen wir nicht erstarrt/stur/engstirnig sein und auch nicht an Extremen festhalten. 

Wir wissen wohl, dass dieser Körper provisorisch und vergänglich ist, so wie giftige Schlangen gemeinsam in einem Korb unterzubringen. Sie beißen sich gegenseitig ohne Ende. Dazu kommt die Hitze, die Kälte von außen, so dass sich das Leid noch mehr vergrößert. Wir sind diejenigen, die die Ursachen des Leidens erkennen können. Wir verfügen auch über die Methodik und die Mittel, um die Ursache des Leides sicher und entschlossen zu eliminieren und abzuschneiden. Was fürchten wir uns noch? Bis wann warten wir noch, um mit der Zen-Praxis anzufangen? 

Nachfolgend die Worte der Alten: "Die Aufgabe dieses Lebens wird in diesem Leben gelöst. Sei entschlossen!" Außerdem stellen wir fest, dies muss heute entschieden werden, um das Leid der Zukunft abzuschneiden. In dem wir noch genügend Vernunft, Gesundheit und alle günstigen Konditionen besitzen. Die Chance ist bereits in unserer Hand, wenn wir uns jetzt nicht für die Praxis entscheiden – auf was und bis wann warten wir noch?

Lass die Tage nicht vergehen, auf dass der Körper durch Alter und Krankheit nicht von innen her zerfällt. Denn auch der Geist wird immer stumpfer und trüber, so dass eines Tages nicht mehr genügend Kraft für das KungFu-ZaZen zur Verfügung steht. Dann ist es zu spät. Sei strebsam und fleißig! Gib dir Mühe! Alles Sein ist Schein! Die Menschen um uns sind auch Schein! Jedoch werden alle Schein-Phänomene vorübergehend benötigt, um etwas zu vervollkommnen. Etwas, was daraus geschaffen und vervollkommnet ist, ist schließlich auch Schein. Denn alle Dharma sind Schein. Wenn sie erfüllt sind, wird auch davon losgelassen und dazu die Patriarchen-Worte: "Dieser Körper ist wie der Schein im Traum. Wenn Form und Leere in diesem Leben nicht durchgeblickt werden [überhaupt], dann wird das nächste Leben ungewiss sein. Hoch und tief, hin und her, austauschen und reparieren, großer Aufwand – Alles umsonst! Versunken im Drei-Welten-Dasein – bis wann gibt es ein Ende …?"

Die Entscheidung ist hier und jetzt. Einmal loslassen ist alles losgelassen, sonst werden viele Äonen leidvoll und verhängnisvoll. Gib dir Mühe! Denn die Mara der Unbeständigkeit nehmen keine Bestechung an, kennen keine Korruption. Wir sollen selbst vorbeugen, bevor der Tag kommt. Bis dahin sind auch die flinksten Schnäbel und Hände zu spät. Bis dahin, wer hört auf unser leidvolles Jammern? Wer kann uns retten, außer wir uns selbst? Schlussfolgerung ist, dass hier und jetzt der beste Weg ist zu fragen: "Was bin ich? - Oh je …! / Oh ja …!"


9. MARA DES SCHLAFES
Die Versunkenheit in trübsinniger Befangenheit des Geistes und Schlafsüchte als Mara 

Diese zählen als Hindernisse, welche durch übermäßiges Schlafen entstanden sind. Wenn der Zen-Praktiker nicht selbstdiszipliniert ist und er zu viel Zeit im Schlaf verbringt, werden diese, wenn übermäßig, bald zum Verhängnis werden. Wenn er sich immer öfter von den trübsinnigen Schlafsüchten befangen lässt, wird der Wahre Geist so verdunkelt werden, dass die Bodhi-Bewußtheit nicht zum Vorschein kommen kann. Tagein, tagaus wird daraus Finsternis und Verblendung. Weshalb verursacht ein übermäßiger Schlaf so viele Hindernisse? Die Ursache dafür ist, wie wenn man zu viel und übermäßig von deftigen, fetten und überwürzten Köstlichkeiten mit deren Gaumenfreuden verzehrt. Auch überdosierte falsche Arznei, etc. und pausenlose, sinnlose Streiterei führt dazu, dass der Körper erschöpft wird. Darunter leiden die Milz und der Magen. Kurzatmigkeit ist die Folge und der Geist verdunkelt sich entsprechend. Ein verblendeter Geist verursacht auch mehr Zorn und Wut, Zügellosigkeit und Faulenzen. 

Statt die Ursachen des 'Lebens und Sterbens' als die wesentliche Aufgabe des Lebens zu nehmen, lassen sie sich von flüchtiger, vorübergehender Freude verblenden. Der Zen-Praktiker, der sich KungFu-ZaZen zur Lebensaufgabe gemacht hat, sollte stets wach und bewußt sein. Er sollte die Vorbilder der Alten vor Augen haben, wie sie gegen das Einschlafen vorgegangen sind. Alles ist gemacht worden: Sich selbst Schmerzen zufügen, kneifen, Gesicht waschen, Buddha-Niederwerfungszeremonie, Lichter anzünden, Geh-Zen [Thiền Hành], etc. Also eine Reihe von Selbstdisziplinierung gegen das Treiben der Gewohnheit und Bequemlichkeit, damit man sich überhaupt langsam vom Mara des Schlafes fernhalten kann. Ein Zen-Praktiker, der sich nicht selbst diszipliniert, der seinen Geist sich gleichgültig zerstreuen lässt, verdunkelt schließlich seinen eigenen Wahren Geist selbst. Verehrter Zen-Praktiker: Sei mutig und kraftvoll, um auch diese Hindernisse zu überwinden!


ERLÄUTERUNG ZU 9



Die oben genannten Hindernisse sind, wenn man nicht die generations-übergreifenden Hindernisse dazu zählt und die extravaganten Bewältigungs- und Bekämpfungsmittel der Fehler während des KungFu-ZaZen, welche sich hier als Fehler darstellen, dann ist der Hauptgrund dafür, dass der Zen-Praktiker seinen ureigenen Wahren Geist noch nicht empirisch erkannt hat. Er läuft noch allem subjektiven Schein hinterher, Zerstreuung und Wahn sind folglich die Ursache. Wenn von Hindernissen des Schlaf-Maras die Rede ist, dann heisst es: „Was zu viel ist, wird zum Verhängnis.“



In diesem Sinne, wenn das Schlaf-Mara freizügig herumtanzt bzw. zu viel Freiheit genießt, dann wird unser KungFu-ZaZen kaum Fortschritte machen können. Der Bodhi-Geist verstummt. Ununterbrochene Nickerchen und Schläfrigkeit, Verdunkelung und Unklarheit des Geistes sind der Anfang für den finsteren Mara- und Dämonen-Daseinsbereich. Wenn der Zen-Praktiker sich einmal darin verlaufen hat, dann ist die Folge, dass eine endgültige Katastrophe schwer vermeidbar ist. Wo ist dann hier noch die Rede davon, dass man auf dem Mittleren Weg erhabene Fortschritte macht? Tatsächlich sind Schlaf-Mara und Zerstreuung bei allen Zen-Praktikern die zwei vermeintlich größten Hindernisse, die am Schwierigsten zu beseitigen sind. Man kann so sagen, dass diese zwei Hindernisse wie zwei Zangengriffe sind, die die Zen-Praktiker umzingeln. Wie ein Matrix-Irrgarten, in dem ein Zen-Praktiker herumirrt und sehr viel Zeit vergeuden kann.



Um gegen diese zwei Hindernisse vorzugehen, sollten sich Zen-Praktiker mit eiserner Entschlossenheit ausrüsten. Auch Fleiß, rechte Strebsamkeit, Unermüdlichkeit und starke Gelöbnisse gehören zu ihrer Ausstattung. Von allem Festhalten loslassen, um tiefere Einsicht zu gewinnen. Tue alles, um diese Maras zu beseitigen und höre erst auf, wenn das Ziel am Ende des Weges erreicht ist.



Außerdem sollte sich ein Zen-Praktiker eifrig darin üben, Reue zu zeigen, falls diese nötig ist, um das eigene Karma des vorigen Lebens tiefgründig erkennen zu können und sich gleichzeitig davor hüten, dass sie auch nur eine einzige Chance und einen einzigen Ort haben, um sich schleichend irgendwo verstecken zu können.



Nach dem alle oben genannten Bemühungen vollständig erreicht werden, muss ein Zen-Praktiker sehr 'geschickt' sein, um zwischen Körper und Geist eine Harmonie zu ermöglichen; zwischen subjektivem Körper/Geist und objektivem Schein des Weltlichen ein Mittelmaß zu halten. Extremität ist hier weder nützlich noch heilsam, sondern zwischen 'Theorie und Praxis', ist ein einheitliches Ganzes herstellen. Nachfolgende mahnende Worte der Alten: „Graviert euch auf die Stirn ein, dass das Leben unbeständig ist!“. Wie kann man es der Gleichgültigkeit überlassen, wenn der Sinn des Lebens und Sterbens noch so ungewiss ist und die Unbeständigkeit des Lebens unaufhaltsam wie ein Pfeil weiterfliegt.



Ein wahrhaftiger Zen-Praktiker des KungFu-ZaZen 'Schaut-nur-gerade-aus' und 'Geht auch so fort'. Jede Art von Festhalten ist über Bord geworfen, minimiert alle unnötigen Kontakte. Lass dich von den äußerlichen Umständen nicht beeinflussen, damit das KungFu richtig vertieft werden kann. Selbst den Krankheitsfall nimmt er mit Gelassenheit an. Beim Essen, beim Hab und Gut ist er genügsam. Etwas Gutes anzuziehen oder nicht, hier gibt es keinen großen Unterschied. Ob er bis 120 Jahre leben kann oder bald an Ort und Stelle umfällt, macht wenig Unterschied, wenn der Geist noch verblendet ist. Für denjenigen haben solche Umstände 'nicht mehr und nicht weniger Bedeutung, als es ist'. Der Zen-Praktiker konzentriert sich ganz und gar mit Fleiß und Strebsamkeit auf seine Übung, die stets und kontinuierlich im täglichen Leben stattfindet. Es wird einen Tag geben, an dem er sein Ziel 'erreicht'. Die unermessliche Strebsamkeit der Alten ist für uns noch wie ein klarer Spiegel leuchtend. Wir sollten uns diesen Spiegel als tägliches Vorbild nehmen. Versinken wir nicht in verhängnisvoller Bequemlichkeit, denn dadurch könnte ein ganzes Leben bald in Sinnlosigkeit vergehen. In dem Teil über generationsübergreifend wirkendes Mara und über dieses Schlaf-Mara werden verschiedene Maßnahmen empfohlen. Außer der eigenen Strebsamkeit wird noch eine weitere Methode über Reue empfohlen. Meiner Meinung nach gibt es in diesem Sinne 2 Methoden:



1. 'Formale Reue' [Diese Methode wurde in den Mahayana Sutren reichlich belehrt] 

  • Zuflucht und Vertrauen, bittet um Unterstützung, um die Kraft der 'Drei-Juwelen' als Zeuge für seine eigene Entwicklung/Stand 
  • Große Gelöbnisse abzulegen, um entschlossen die begangenen Fehler nicht zu wiederholen 
  • Gleichzeitig spiegelt er sich in der grenzenlosen Barmherzigkeit und Weisheit der 'Drei-Juwelen', der Zehn Himmelsrichtungen. Geloben, seine eigene Entschlossenheit nicht erschüttern zu lassen, Rat und Belehrung des großen Patriarchen Meisters zu befolgen. 

2. 'Geistige Reue' oder die 'Reue des eigenen Geistes' 
  • Das bedeutet im täglichen Leben, wenn gerade ein Denkimpuls auftaucht wird gleich davon losgelassen und ihm nicht hinterher gefolgt. 
  • Sich stets auf die eigene 'introvertierte Entdeckung' konzentrieren, um diesen reinen bewußten Prozess stets geschickt und kontinuierlich werden zu lassen und diesen immer zu wiederholen. 
  • Die Energie des Loslassens stärkt proportionsmäßig die Samadhi-Kraft. Dadurch nimmt auch das Licht der Bodhi-Bewußtheit tagein, tagaus an Stärke zu. Wenn dies der Fall ist, wird das generationsübergreifend wirkende Karma in Schwankung geraten und schließlich eine neue Richtung einschlagen. 
  • Alle Zerstreuung und Festhalten seit unzähligen Leben sind zertrümmert. Große Erkenntnis der Erleuchtung kommt zum Vorschein. Jetzt, was ist denn schon der 'Fehler'? Noch 'Reue'? "Was gibt es denn hier noch zu bereuen?" 


10. DEVAS MARA
Mara als Devas und Himmelswesen

Diese Maras hier sind völlig anders als alle anderen. Bei einem wahren Zen-Praktiker, der kurz vor der Erleuchtung steht, bei dem vereint sich Körper und Geist zu einem einheitlichem Ganzen. Sein Geist ist dann so unerschütterlich befreit, so dass solche himmlischen Mara, Geister und Dämonen in Panik geraten sind. Ihre Paläste fallen in sich zusammen und bröckeln auseinander. Mara Königin verliert in Panik ihre Macht; die Mara-Diener flüchten spurlos davon. In der Regel besitzen diese Maras fünffache übersinnliche Fähigkeiten. Provokativ versammeln sie sich, um den Samadhi der Zen-Praktiker zu stören. Jetzt inszenieren, bezaubern und täuschen sie unbeschreibliche gruselige, grausamste und hässlichste Szenen vor. Aber auch die virtuell verführerischsten sexuellen Szenen erscheinen in äußerst realen, überdimensionierten Qualitäten, um den Samadhi-Geist der Zen-Praktiker zu zerstören. 

Das bedeutet, wenn auch nur ein einziger Denkimpuls auftaucht, an dem der Zen-Praktiker festhält, wird er sofort von Mara registriert und zu ihrem Nutzen und Zweck manipuliert. Hier steht dem Zen-Praktiker eine bitterliche Niederlage bevor. Ein psychopathischer Wahn könnte ausbrechen, in dem er 'sich als Buddha verkörpert' und die 'mächtige Erleuchtung erreicht' hat. Für das jetzige Leben kann derjenige der Härte der weltlichen Gesetze bestimmt nicht entkommen, beim Sterben wird er folglich im Gefängnis des Geistes landen.

Daher eine Mahnung an die Zen-Praktiker: Stets beim Rechten Geist, stets bewußt und stets die Weisheit leuchten lassen. Unerschütterlich bleiben, denn das ist entscheidend. Lass alle Maras herumtanzen, stören und bezaubern. Wir lassen uns nicht davon beirren, es wird 'nichts gehört', 'nichts gesehen' und sich auch nicht darauf eingelassen. Alles wird mit dem Rechten Samadhi stets durchleuchtet, um die Mara in die Knie zu zwingen. So wird sich einer nach dem anderen, Mara-Diener und -Königin, in sich selbst zerstören. Verehrte Zen-Praktiker der nachkommenden Generation, seid vorsichtig beim Devas-Mara-Erkennen!


ERLÄUTERUNG ZU 10

Mara hängt vom eigenen Geist ab. Ohne Mara hängt auch vom eigenen Geist ab. Mara oder nicht, hängt alles vom eigenen Geist ab. Wenn der Geist noch zerstreut ist, dann wohnt ihm noch Mara inne. Zehn Maras sind bereits aufgezählt, keines existiert außerhalb des eigenen Geistes. Wenn der Geist 'still', 'rein' und unerschütterlich ist, blicken auch tausend Heilige vergeblich nicht durch, wie können solche Maras überhaupt etwas davon erfahren?

Trotzdem sollte der wahre Zen-Praktiker des innersten Kreises den Wahren Geist stets wachsam aufbewahren. Gewährt den Mara keine einzige Chance, um sich breit zu machen. Umso erfolgreicher sein KungFu-Samadhi ist, desto vorsichtiger sollte er vorgehen. Denn umso 'stiller' und 'reiner' der Geist ist, umso gewaltiger ist Maras-Wirken. Bei dieser Phase angelangt, soll der Rechte Geist schon leuchtend sein. Die Bodhi-Bewußtheit sollte stets und kontinuierlich sein. Der Geist sollte unerschütterlich, gelassen und doch frei sein. Wenn dies der Fall ist, dann wird sich alles Mara-Geschrei und Zerstörung ins Nichts auflösen. Ähnlich wie sie versuchen, den leeren Raum zu zerstören.

Zusammenfassung: Für die Zen-Praktiker, die am Anfang des Weges sind, ist es hilfreich, folgendes einzuprägen: "Der Wahre Geist ist die Wurzel aller Dharmas, daher ob Mara oder Nicht-Mara hängt vom eigenen Geist ab. Wenn der Geist zerstreut ist, macht sich Mara breit. Wenn der Geist unerschütterlich rein ist, ist das bereits das Reich des Unbeschreiblichen. Tausende Heilige blicken hier nicht durch, schon gar nicht Mara."

Das bedeutet: Wie kann man die Maras 'beim Ruhig-Sitzen' bekämpfen? Nur stets unerschütterlich! "Reiner Geist, reines Land – Maras und Gespenster werden von sich aus verschwinden!"

Hier noch die Worte des Alten:

„Ein einziger Denkimpuls nicht aufgewirbelt, 
verstummt ganzes Dharmakaya.“
Und:

„Wenn nichts träumt, hält die Albträume fern. 
Wozu ist noch die Rede von Träumerei?“

***
Erste offizielle deutsche Übersetzung der amtlich-hochvietnamesischen Version:
"Mười điều biện Ma cho người tu Thiền" - Nguyên tác / Originall von dem Ur-Autor 
Zen-Meister / Thiền sư Siêu Minh. 


Übersetzer Chính Tâm
Mitwirkung bei der deutschen Version von Barbara, Stephan, Michael, Mechthild
und Freunde der Bodhi-Kontinuum-Zen-Gruppe

Diese Übersetzung unterliegt strikt den
'8 Richtlinien für die buddhistischen Zen-Gelehrten und Sutren-Übersetzer'.
Bambuswald-Zen-Tradition, Vietnamesischer Zen-Buddhismus
München, 21. September 2012


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