"Jeder Tritt zertrümmert unzählige Buddha-Reiche !

Jeder Blick verstummt ganzes Dharmakaya !"

Sonntag, 1. März 2015

METHODIK DES ZAZEN

'METHODIK DES ZAZEN'
'PHƯƠNG PHÁP TỌA THIỀN'

YÊN TỬ BAMBUSWALD ZEN TRADITION - VIETNAMESISCHER ZEN BUDDHISMUS
THIỀN TÔNG TRÚC LÂM YÊN TỬ - THIỀN TÔNG VIỆT NAM



Thích Thanh Từ


EINFÜHRUNG

Durch Kontakt und Interaktion mit unterschiedlichsten Umständen und Lebenssituationen unseres Alltags ist unser Geist [durch die Sinnesorgane] ständig in Wechselbeziehung mit einer Flut von belastenden Informationen und Reiz-Impulsen aller Arten konfrontiert. Das setzt den untrainierten Geist unter starken Druck und da dieser nicht immer stabil ist, gerät er sehr leicht in Aufruhr. Stress, Unruhe und destruktiv-nachwirkende Energien sind die Folgen. Dieser Instabilität wegen erreicht unser Geist somit schwerlich ruhige, friedliche Freude, Glück und Frieden. Der Geist ist Knotenpunkt des Entstehens und Vergehens, des Sterbens, der Wiedergeburt und des Leids, aber auch Nährboden und Quelle allen wahren friedlichen Glücks, lebendiger Freude und auch von Nirwana. Der Buddha hat daher aus tiefem Mitgefühl unter anderem die 'Dhyana'-Methode ['Thiền định' / 'Zen Samadhi-Samatha'] gelehrt, mit der wir den verwirrten Geist schulen, damit wir befähigt werden, stets bewußt im 'rechten Geist' zu verweilen. 

Beim Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen sollten wir uns stets darin üben, unseren Geist in einem erwachenden Bewußtseins-Zustand zu schulen. Wir zünden unser eigenes 'Licht des Hier und Jetzt' an und lassen dieses kontinuierlich erstrahlen, dabei ständig unseren ureigenen wahren Geist beleuchtend und zwar fortwährend in allen Aktivitäten des Alltags.

Aus der Tradition und der Erfahrung der Praxis heraus hat sich bestätigt, dass von allen oben benannten Körperstellungen [‚Geh-Zen‘, ‚Steh-Zen‘, ‚Lieg-Zen‘, ‚Sitz-Zen‘], das ‚Sitz-Zen‘ ['Za-Zen' / 'Tọa-Thiền'] für den 'Einsteiger', die bewährteste, gewinnbringendste und geeignetste Methode ist.


Sitzmittel und Utensilien für das ZaZen / Tọa Thiền:

Ein flaches, rundes Sitzkissen mit einem Durchmesser von ca. 20 bis 25 cm und ca. 20 cm Höhe – der Inhalt besteht aus flauschigem Naturmaterial [z.B. Baumwolle], so befüllt, dass es beim Sitzen bis auf eine Höhe von ca. 10 cm einsinkt.

Eine quadratische, weiche Sitzmatte mit Seitenmaß ca. 80 cm, die Dicke beträgt ca. 5 cm. Das Sitzkissen wird auf die Sitzmatte gelegt. 

Ein oder mehrere flauschige Handtücher oder Handkissen zur Aufstockung und als Auflage zum Auflegen der Hände, um die Unebenheit der möglichst tiefer-gesenkten Fußsohle auszugleichen.

ZA ZEN – TỌA THIỀN
Beinhaltet 3 Phasen
'Eintreten' – 'Verweilen' – 'Austreten'
A - 'EINTRETEN': 
('NHẬP')
Zur ZaZen-Sitzung ['Giờ Tọa Thiền'] legen wir die Sitzmittel und Utensilien bereit. Danach breiten wir die Sitzmatte auf einem ebenen, sicheren Boden in einem dafür geeigneten Raum aus. Das Sitzkissen wird auf die Sitzmatte gelegt.
Wir setzen uns auf das Sitzkissen – mit dem Steißbein auf die Mitte des Sitzkissens. Wir neigen uns ein paar Mal hin und her, bis wir eine sichere Stellung finden, erst dann kreuzen wir die Beine.


Wenn wir den Halb-Lotussitz ['Bán Già' bzw. 'Bán Tọa'] einnehmen, ziehen wir den rechten Fuß an uns heran und legen ihn auf den linken Oberschenkel bzw. umgekehrt.
Wenn wir den Voll-Lotussitz ['Kiết Già' bzw. 'Kiết Tọa'] einnehmen, ziehen wir zuerst den linken Fuß an uns heran und legen ihn auf den rechten Oberschenkel, dann den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel. Die Füße straff zum Körper herangezogen werden.

Zu beachten ist, dass das Gesäß sicher auf dem Sitzkissen ruht und die beiden Knien sicher und schmerzfrei auf die Sitzmatte gestützt sind.



'Voll-Lotussitz' und 'Halb-Lotussitz'

Den Hosengürtel und den Kragen sowie andere Kleiderteile auflockern bzw. korrigieren und den Rumpf aufrecht halten. 

Falls eine von den Fußsohlen tiefer als die andere sinkt, sollten wir ein vorbereitetes Handtuch darunter legen, so dass sie auf gleicher Höhe zueinander liegen bzw. keine extreme Spannung verursachen.


Jetzt wird die rechte Hand auf die linke Handinnenfläche gelegt. Die beiden Hände sind auf die beiden Fußversen-Enden gelegt. Gegebenenfalls sind die Hände auch auf ein Handkissen gelegt.

Die Finger berühren sich übereinander und beide Daumenspitzen berühren sich leicht. Der Berührungspunkt liegt waagerecht genau vor der Bauchnabellinie.
Die Ellenbogen umfassen leicht die Hüfte.
Wir bewegen den Rumpf dreimal – erst stark, dann schwächer.

Wir sitzen gelassen und möglichst gerade, der Kopf ist leicht nach vorne geneigt, den Rücken bitte weder zu sehr strecken, noch krumm oder schräg. [Mit 'krummen Rücken' und tief 'gesenktem Kopf' gleiten wir leichter und unbewußt in den traumartigen Halbschlaf hinüber]. Die Daumenspitzen und die Nasenspitze liegen auf einer [zum Boden hin] senkrechten Linie.

Beide Ohrläppchen sind waagerecht in einem gleichmäßigen Abstand zu beiden Schultern zu halten. Die Augen sind etwa zu einem Drittel geöffnet. Die Sichtweite und das Blickfeld sollten nicht weiter als ca. 60 cm vom Körper und den gekreuzten Punkt der Füße aus liegen. 

Mit entspannten und gelassenen Gesichtszügen sitzen wir sehr friedvoll da.

Nicht zu stark und hastig, sondern schön leicht und gleichmäßig atmen wir jetzt tief durch die Nase ein. Dabei stellen wir uns vor, dass „dieser reine Luftstrom unseren ganzen Körper durchströmt – samt den 'gestauten Stellen' – durch und durch frei zirkulierend“. Danach durch den Mund ausatmen, bis es nicht mehr geht. Dabei „strömen alles Leid, Kummer und Sorgen – samt Krankheit, Schmutz und Unreinheiten – allesamt mit diesem Luftstrom mit nach draußen“. Wir atmen auf diese Weise dreimal – anfangs ganz tief, dann leichter. Nach diesen Atemzügen halten wir die Lippen leicht aufeinander und die Zähne dicht zusammen (jedoch nicht festbeißen), die Zunge wird leicht an den Hohlraum am oberen Gaumen gerollt und dort die ganze Zeit gehalten. Von nun an atmen wir nur noch durch die Nase – gleichmäßig, leicht und leise.

B. 'VERWEILEN': 
('TRỤ')

Am Anfang für den 'Neueinsteiger' stehen 3 Methoden zur Verfügung:

1. DIE 'ATEMSCHAU – AUFZÄHLUNG' 
('SỔ TỨC QUÁN')


'Sổ' bedeutet hier etwa 'aufzählen', 'Tức' ist 'der Atem, die Atmung', und 'Quán' ist hier in diesem Kontext die 'Innenschau', die 'nach innen gerichtete Beobachtung'. 'Sổ Tức Quán' bedeutet somit die Konzentration unseres Bewußtseins hauptsächlich auf unseren Atmungsvorgang, 'wie der Luftstrom ein- und ausströmt'. Begleitet wird dieser Prozess von der Zählung des Ein- und Ausatmens - gedanklich durch das lautlose Aufzählen von Eins bis Zehn. Diese Aufzählung erfolgt auf zweistufig intensive Weise: zum Einen 'das intensive Aufzählen', zum Anderen das Intervallweise 'extensive Aufzählen'.
  • Intensives Aufzählen: 'Ðếm nhặt' ['mau']
Beim Einatmen zählen wir gedanklich 'Eins', beim Ausatmen zählen wir 'Zwei', wieder einatmen: 'Drei' und so weiter bis 'Zehn'. Danach beginnen wir wieder von vorne mit 'Eins'. 
  • Extensives Aufzählen: 'Ðếm khoan' ['thưa']
Jetzt atmen wir ein und erst beim Ausatmen zählen wir 'Eins'. Wieder einatmen und ausatmen – 'Zwei'. Wieder Einatmen und Ausatmen – 'Drei' und so weiter bis 'Zehn'. Danach fangen wir wieder von vorne mit 'Eins' an.

Entweder 'intensiv' oder 'extensiv' atmend, zählen wir so während der ganzen Zeit der ZaZen-Sitzung hindurch.


Für den Fall, dass während des Atmens und Atem-Zählens doch die Zahlen durcheinander geraten und wir auf der Strecke geblieben sind, bzw. die Zahlen nicht mehr in der richtigen Reihenfolge aufzählen können, wird empfohlen, wieder von vorne mit 'Eins' zu beginnen.


Nach einiger regelmäßiger Praxis mit gekonnten, fehlerfreien Atems-Zählen können wir mit der nächsten Methode beginnen.


2. DAS 'ATEM-FOLGEN'
('TÙY TỨC')


'Tùy' ist 'folgen'. 'Tức' ist 'der Atem, die Atmung'.

Hier im Kontext bedeutet 'Tùy' außer 'folgen', auch 'je nachdem...' oder 'So-Geschehenlassen', da wir jetzt die Atmung nicht mehr mit der Zählen begleiten. 'Tùy tức' bedeutet also hier, dass wir 'dem Atmungsvorgang folgen', also bewußt So-Geschehen lassen. Wir atmen sehr bewußt ein und nehmen genau wahr, wie und wo die Luft gerade entlang strömt. Beim bewußten Ausatmen nehmen wir auch genau wahr, wie und wo entlang die Luft gerade ausströmt.

Während wir dem Atem gedanklich folgen, sollten wir zusätzlich kraft unserer schärfsten intellektuellen Vernunft oder Weisheit über das Wesen unseres Atems kontemplieren: darüber, wie unser leiblicher Körper so sehr entscheidend vom Atem abhängt. Wenn wir einmal annehmen, dass wir nach dem Ausatmen nicht mehr selbst einatmen können, könnte es mit dem Leben bald vorbei sein. Wir erkennen jetzt eine ernüchternde, reale Wahrheit: Wenn schon das Wesen des Atems an sich so bedingt, flüchtig und unbeständig ist, könnte auch unser Leben genauso flatterig, vergänglich und schnell vorübergehend sein.


Nachdem wir mit der Übung des 'Atem-folgen' genügend Zeit verbracht und uns damit vertraut gemacht haben, treten die Zen-Praktizierenden in die Phase des 'Erkennens der Abbilder und zerstreuten Gedanken' ein.



3. DER GEDANKEN BEWUSST 
('TRI VỌNG')
[ERKENNEN DER ZERSTREUTEN DENKIMPULSE]


Zu Beginn folgen wir zunächst der Atmung für einige Minuten, wie diese ein- und ausströmt und friedlicher geworden ist. Lassen wir dann die Phase des Atemfolgen 'hinter uns', damit der Geist zur Ruhe und Stille kommen kann. Sobald ein imaginärer oder ein gedanklicher Impuls – wie klein er auch sein mag – auftaucht, sind wir uns sofort dessen bewußt und erkennen sie sogleich als solche, was sie sind, nur folgen wir ihnen nicht nach. Und damit fahren wir fort, bis die Abbilder und Denkimpulse sich in sich selbst auflösen, 'verschwinden' und keine Spuren mehr hinterlassen, der Geist folglich still und rein ist. Als bald die ersten Impulse der Abbilder und zerstreuten Illusionen wieder anfangen zu wirbeln, sind wir uns sofort wieder darüber bewußt. Immer weiter auf diese Weise, bis einer nach dem anderen in seiner Intervall/Intensität nachlässt, aufgibt und schließlich in sich spurlos verschwindet. Falls wir doch unbewußt einschlafen sollten bzw. übergangslos in die träumerische Vorschlafphase gleiten, ist eines hier zu empfehlen: Wir öffnen die Augen weit auf, um wieder wach zu werden und die aufrechte Körperhaltung wieder herzustellen.

Falls wir uns während der ZaZen-Sitzung im Brustbereich verspannt bzw. ein wenig beengt fühlen, könnte dadurch möglicherweise das Herz leicht stechen. Es liegt daran, dass wir zu gerade sitzen, wir sollten uns ein wenig krümmen und entspannter sitzen, das wird uns selbst dabei helfen, dem entgegen zu steuern. 

Ebenso, wenn es an der Wirbelsäule in Höhe der Gürtellinie leicht zu stechen anfängt, zeigt das, dass wir zu sehr gekrümmt gesessen sind. Und dann setzen wir uns wieder aufrecht hin.


Wenn es auf einer Schulterseite schmerzt, liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass die beiden Schultern nicht gleich hoch auf einer waagerechten Linie zueinander liegen – eine davon also gesenkt ist.


Wenn beide Schultern gleich stark schmerzen, liegt es wiederum daran, dass wir die Arm-Muskulatur auf beiden Seiten zu sehr verkrampfen. Die Arm-Muskulatur muss wieder gelockert werden.


Der ganze Körper befindet sich jetzt in einer sehr entspannten Sitzhaltung und ruht weiterhin in völliger Entspannung.


C. 'AUSTRETEN': 
('XẢ THIỀN')

Bevor wir aus der stillen, tiefen Versenkung des ZaZen austreten, rezitieren wir noch in der Stille den Vers des Widmungs­gelöb­nisses: 


"Gelobe, alle Früchte meiner Praxis
Gleichermaßen als Dharmakaya so zu verteilen,
So dass ich, Dein Schüler, mit samt allen Lebewesen
Die Buddha-Werdung, mit einem mal vervollkommne."

"Namo Sakyamuni Buddha"


Als nächstes atmen wir durch die Nase tief ein, dann durch den Mund wieder aus. So atmen wir dreimal – anfangs leicht, dann stärker. Beim Einatmen durch die Nase visualisieren wir folgendes: „Dieser reine Luftströmung durchströmt unseren ganzen Körper samt den 'gestauten Stellen', durch und durch frei zirkulierend.“ Danach durch den Mund vollständig ausatmen, bis sämtliche Luft wieder draußen ist. Dabei „strömen ganzes Leid, Kummer und Sorgen – samt Krankheit, Schmutz und Unreinheiten – allesamt mit diesem Luftstrom mit nach draußen.“

Wir kreisen die Schultern, eine nach der Anderen, je fünfmal rauf und runter. 
Wir neigen den Kopf tief nach vorne, dann ganz nach hinten – je fünfmal.


Wir drehen den Kopf ganz nach links, dann rechts – je fünfmal. Dann neigen wir anschließend als Ausgleich den Kopf noch einmal nach vorne und hinten.


Wir neigen den Körper nach vorne und wieder nach hinten, je siebenmal. Beim siebenten Mal drücken wir mit beiden Handflächen beide Knie auf die Sitzmatte hinunter. Dabei verlagern wir unser Körpergewicht durch die Hände auf die Knie nach vorne.
Jetzt reiben wir die beiden Handflächen aneinander, besonders die beiden mittleren Finger, so dass sie dadurch erwärmt werden.
Wir schließen die Augen und halten beide [wärmer gewordenen] Mittelfinger auf die Augenlider – je 5-mal.
Wir massieren das Gesicht mit den Handflächen 20- bis 30-mal.
Die Ohren 20- bis 30-mal.
Den Kopf 20- bis 30-mal.
Den Nacken 20- bis 30-mal.
Mit einer Hand massieren wir auch den Hals 20- bis 30-mal.

Die rechte Handfläche auf die linke Schulter legen, die linke Handfläche etwas unter die rechte Achselhöhle legen. Jetzt, mit beiden Handflächen an den Körper drückend, den linken Arm bzw. die rechte Körperseite von den Achselhöhlen herab gleichzeitig den Körper nach unten verlaufend massieren. Danach wechseln wir die Hände zur jeweils anderen Seite und massieren auf die gleiche Weise – pro Arm und Körperseite 5-mal.
Die Hände zusammen ballen und wieder ausstrecken – je fünfmal.
Die rechte Handfläche auf den oberen Brustbereich legen, den linken Handrücken auf den Rücken legen. Jetzt wird gleichzeitig mit beiden Händen massiert, wobei der linke Handrücken einen so großen Bereich wie möglich auf dem Rücken zu erreichen versucht.

Anfangs massiert die rechte Handfläche zuerst den oberen Brustbereich, als nächstes das Sonnengeflecht, dann den Unterbauch, waagerecht hin und her. Diese drei Punkte [Oberbrust, Oberbauch und Unterbauch] massieren wir für je 5-mal.
Jetzt wird die Taille an der Gürtellinie mit beiden Händen massiert.
Dann auch das Gesäß mit beiden Händen massieren. 
Auch die Außenseite der beiden Oberschenkel wird massiert. Wie viele Male man massiert, hängt davon ab, wie stark sie verspannt und schmerzhaft sind. Es gibt keine genaue Vorschrift über die Anzahl.
Mit einer Hand greifen wir die Zehen eines Fußes, mit der anderen Hand das Fußgelenk desselben Fußes, und legen wir den oberen gekreuzten Fuß ganz langsam auf die Sitzmatte. Auf dieselbe Art und Weise verfahren wir mit dem anderen Fuß.
Mit beiden Händen kneten oder massieren wir abwechselnd eine Seite oder gleichzeitig beide Seiten – von den Oberschenkeln über die Knie, bis zu den Füßen und Zehen hinunter, auch beide Fußsohlen, so dass sie wieder geschmeidig und wärmer werden. Wir massieren nach eigenem Bemessen. Es ist keine genaue Anzahl vorgeschrieben.
Jetzt strecken wir beide Beine und Füße gerade aus.
Wir beugen den Oberkörper mit gestreckten Armen und Händen nach vorne, die beiden Handspitzen berühren gerade die Zehen – 5-mal.

Dann schieben wir das Sitzkissen zur Seite und setzen wir uns auf die Sitzmatte. So sitzen wir für ein paar Minuten in Ruhestellung, bevor wir aufstehen und mit drei rituellen Niederwerfungen dem Buddha Dank erweisen.

Zu Erinnerung: Die gesamte Massage und die Bewegungen während der 'Austritts-Phase' sollen intensiv und mit genügend Kraft auf die Haut wirken, aber möglichst geräuscharm und nicht zu grob erfolgen. Die Bewegungen und die Atmung sollten steigernd, von leicht, bis stark und stärker ausgeführt werden.

NACH DEM AUSTRETEN AUS DEM ZAZEN:
(SAU KHI XẢ THIỀN)


Je nachdem, wie die jeweiligen Umstände und die momentane Situation es erlauben und es zeitlich passend erscheint (nach dem Austreten aus dem ZaZen), können wir noch einen zehn-minütigen Spaziergang bzw. Geh-Zen (Thiền Hành) bewußt auf dem Hof, Flur oder Waldweg, etc. machen.

Schritt für Schritt in voller Bewußtheit laufend, sind wir uns weiter der Abbilder und Illusionen, die im Geist auftauchen, bewußt, folgen ihnen aber nicht nach. Wenn wir bei der Arbeit sind oder eine Tätigkeit durchführen, bemühen wir uns, uns nur auf jene Arbeit zu konzentrieren. Falls Abbilder und Illusionen dabei auftauchen und uns in ihre Bahnen ziehen wollen, lassen wir sie einfach los, folgen ihnen aber nicht. Dies ist eine geschickte Praxis eines geschickten Zen-Praktizierenden auch nach dem Austreten aus dem ZaZen. 

Bikkhui
Thích Thanh Từ
Ðà Lạt, 25.03.1999 
Süd-Vietnam
[entspricht dem 08.02. im „Jahr der Katze“ -
"Kỷ Mão", vietn. Mondkalender]




ANMERKUNGEN DES ÜBERSETZERS


„Der Sieg über das Eigene Selbst ist der größte Sieg aller Zeiten.“

[Siddhartha Gautama – Sakyamuni Buddha]

***


Die soeben bekanntgegebene 'ZaZen-Methodik' ist verwurzelt in der Methodik des historischen Buddha, des Zen-Patriarchen Bodhidharma, sowie in der tausendjährigen Dharma-Überlieferung der buddhistischen Sutren und Mahayana-Zen-Literatur. Diese Methodik ist altbewährt und bestätigt durch authentische Verwirklichungs-Erfahrungen von buddhistischen Zen-Patriarchen-Ur-Meistern aller Zeiten. Sie ist eine wesentliche und einheitliche klosterinterne, tägliche Praxis für alle Mönche und Nonnen, sowie Zen-Buddhisten der 'Yên Tử Bambuswald Zen-Tradition – Vietnamesischer Zen-Buddhismus'.

'METHODIK DES ZAZEN' -
 THÍCH THANH TỪ 
Im Rahmen eines internen Unterrichts im Zen-Kloster 'Trúc Lâm – Phượng Hoàng' ['Bambuswald Phönix'] in Ðà Lạt, Südvietnam, hatte der Oberste Abt am 25.03.1999 persönlich die jüngeren Zen-Mönche diese Methodik erneut gelehrt. Die Schüler baten ihn um Zustimmung, den Unterricht zum ersten Mal mit Videoaufnahmen begleiten zu dürfen, um diese später als Lehrmaterial in schriftlicher Form niederzulegen. Der Oberste Abt hatte zugestimmt, folglich wurde letztendlich diese interne Belehrung in Heftform niedergeschrieben und später auch veröffentlicht. 

Diese vereinfachte, allgemeingültige Version der Belehrung des Obersten Abtes über die 'Methodik des ZaZen' [in amtlichem Hochvietnamesisch] als DIN-A5-Heft war für das ‚EINSTEIGER-NIVEAU‘ vorgesehen. Inzwischen ist sie eine eigenständige Ausgabe geworden, eine Ausarbeitung mit erklärenden Fotos, welche auf Auszügen aus dem Buch [desselben Autors]: „Vietnamesischer Zen-Buddhismus in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts“ basiert [Seite 112 bis 116].

Eine tiefgründige Erläuterung sämtlicher grundlegenden Zen-buddhistisch-terminologischer Begriffe wie 'Dhyana', 'Zen', 'Samadhi-Samatha', 'Bodhi-Bewußtheit des Geistes', 'der Gedanken bewußt', 'Bodhi-Geist', 'Wahrer-Geist', u.v.m. im Geist einer authentischen, lebensnahen und praxisbewährten Zen-Methodik, werden die Zen-Praktiker in den zahlreichen allumfassenden buddhistischen Mahayana-Sutren und der Zen-Literatur der Yen Tu Bambuswald Zen-Tradition, sowie auch in den persönlichen Belehrungen des Obersten Abtes Thích Thanh Từ wiederfinden.
Für Zen-Praktiker aller Traditionen, welche sich entschlossen haben, Buddhas Rechten Weg als den Mittleren Weg des Lebens mit ihren eigenen Füßen zu meistern, empfehlen wir ausdrücklich und herzlichst einen weisen Rechten Umgang mit Buddhas unschätzbarem Dharma-Schatz. Alle Zen-Praktiker, die sich dem Inneren jenes 'Leeren Kreises' nähern, die das scheinfreie Licht aus der 'Rechte-Mitte des Mittleren-Weges' erblicken, erkennen und wertschätzen, werden traditionsgemäß, bevor sie die tiefgründigste altbewährteste 'Ur-Meister-Didaktik' – 'Dharma-Adharma' – erlernen, ihren 'Leeren-Geist' bewußt in die 'Offene Leere' restlos leeren, denn:

Bodhidharmas Zen-Hütte 
hat weder Dach, Boden noch Wände -
durch deren Spalten oder Schlüsselloch
Maras, Himmelswesen oder Außenstehende
vergeblich versucht haben
einmal hineinschielen zu können.

„Da es nichts festzuhalten gibt, gerade deshalb …“ üben sie sich nebenbei noch darin, einen Vers der Alten wertzuschätzen:

„Ohne Meister wirst Du nichts! 
Ohne Dich wird’s nichts – mit dem Meister!“

***

"Gate – Gate – Paragate – Parasamgate – Bodhi Svaha!"



Namo Sakyamuni Buddha



***


'Methodik des ZaZen'
„Phương pháp Tọa Thiền“
Erste deutsche Übersetzung aus dem Vietnamesischen von Chính Tâm.
Mit persönlicher Zustimmung des Obersten Abtes Zen-Meister Thích Thanh Từ
München, im Februar 2008

Nachbearbeitung mit 'Anmerkungen des Übersetzers'
für die erstmalige Veröffentlichung
der deutschen Online-Ausgabe
München, 01. März 2015
Diese Übersetzung unterliegt strikt den
Mitwirkung bei der deutschen Version von Barbara, Michael, Mechthild
und Freunde der Hằng Giác - Bodhi-Kontinuum-Zen-Gruppe
Yên Tử Bambuswald Zen-Tradition - Vietnamesischer Zen-Buddhismus
[Illustration, Fotos sind aus dem Buch 'Methodik des ZaZen' und Videos entstammend]


Für bestimmte Dateien der Bambuswald-Zen-Tradition erheben wir kein Kopierrecht, 
aber sobald Sie diese Datei für kommerzielle Zwecke vervielfältigen, holen Sie bitte unsere Zustimmung ein.

Copyright © by Yên Tử Bambuswald Zen-Tradition - Vietnamesischer Zen-Buddhismus 

München Germany 2015





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