"Jeder Tritt zertrümmert unzählige Buddha-Reiche !

Jeder Blick verstummt ganzes Dharmakaya !"

Dienstag, 8. Dezember 2020

"NICHTS IST UNMÖGLICH"

 

„NICHTS IST UNMÖGLICH“

[oder die Lehre des höchsten Wagens]

        Zu Lebzeiten Buddhas wurde einmal am Ufer des schnell fließenden Ganges Flusses ein starker Mann von einem giftigen Pfeil getroffen. Der Pfeil kam aus einem unbekannten Versteck und drang zwar nicht sehr tief in den Körper ein, blieb jedoch stecken. Die Verletzung war daher nicht sofort tödlich, es blieb jedoch nicht viel Zeit, bis das tödliche Gift seine Wirkung entfalten würde. Der Mann fällt wie gelähmt auf die Knie und fragte sich nachdenklich:

        „Wer hat mich denn angeschossen? Aus welchem Versteck hat er geschossen? Was für einen Bogen hat derjenige Feind? Aus welchem Material besteht dieser Bogen? Mit welchem Gift war dieser Pfeil getränkt?“ und so weiter und so fort. Der Mann überlegte sehr tiefgründig und fragte sich sehr gewissenhaft alle möglichen Fragen, auf die er zurückgreifen konnte: Warum? Weshalb? etc. er vom Pfeil getroffen wurde… Die Zeit verging und der Mann versank in seinen ungelösten Fragen und fiel langsam in sich zusammen von dem tödlichen Gift, das nun seine Wirkung entfaltet hatte.

        Das war die kurze Zusammenfassung der Geschichte, welche Buddha einem gewissenhaften Mann erzählte, der über philosophische Überlegungen mit Buddha diskutieren wollte - ein Mann, der noch zwischen wesentlich und unwesentlich zweifelnd hin und her schwankte. Dabei verdrängte er aber das ihn quälende Leid, nach welchem er für seine Befreiung zuallererst und sofort Buddha hätte fragen sollen. 

        Über 2600 Jahre später fließt der Ganges Fluß wie einst, seit jeher zeitlos eilend, und an derselben Uferstelle des damaligen Unglücks rutscht ein anderer Mann ins tiefe Gewässer.  Schwimmen kann er offensichtlich nicht.  Hoffnungsvoll strampelt er gegen das Ertrinken an. Da treibt plötzlich der Strom ein Boot mit einem Mann flussabwärts herbei. Der Mann im Boot rudert auf den verunglückten Mann zu und ruft laut:

        - „Reichen Sie mir Ihre Hand!“

        Der Mann im Wasser strampelt weiter, antwortet nicht, reicht ihm auch nicht die Hand. Der Mann im Boot versucht den Mann im Wasser von allen Seiten anzupacken, um ihm Halt zu bieten und versucht, ihn aus dem Wasser heraus zu ziehen. Da schreit der Mann im Wasser wütend:

        - „Fassen Sie mich nicht an! Kommen Sie mir bloß nicht zu nahe!“

        Der Mann im Boot fragt verblüfft:

        - „Wollen Sie denn nicht gerettet werden?“

        Da fragt der Mann im Wasser beim herum strampeln energisch zurück:

        -  „Was kostet mich das? Wer sind Sie? Ist Ihr Boot groß und sicher genug? Ist es für zwei Personen zugelassen? Von welcher Uferseite kommen Sie her? Links? Rechts? Mitte? Wo treiben Sie hin?“

        Der Mann will noch vieles fragen, strampelt jedoch stark, verliert dabei seine Kraft und versinkt plötzlich im Wasser. Der Mann im Boot überlegt und sucht nach einer kurzen Antwort. Als der andere seinen Kopf noch einmal über das Wasser hebt, sagt der Mann im Boot:

        - „Es kostet nichts!“

    Der Mann im Wasser schreit dem Mann im Boot noch sehr besserwisserisch zu:

        - „Nichts - ist unmöglich!!!“, dann versinkt er wieder im Wasser.

    Der Mann im Boot überlegt weiter und sucht nach einer passenden Antwort. Als der andere Mann noch einmal über Wasser kommt, sagt er zu ihm, der nun kaum mehr durchhält:

        - „Für Sie kostet es jetzt nur noch die Dummheit!“

    Mit voller Wucht hebt der Mann den Kopf zum letzten Mal über das Wasser und schreit:

        - „Zuuu teuer!!! Ich sterbe lieber!“

    Dies war nicht das letzte Mal, dass sich die beiden Männer gesehen haben. Doch der tausendjährige, fortwährend wandelnde Samsara fließt zeitlos seit jeher, treibt das Boot und die beiden Männer plötzlich zueinander hin, reißt sie so im Nu voneinander weg, mit oder ohne Boot - man trifft sich nicht zweimal im selben Gewässer.    

„BEFREIE ALLE LEBEWESEN SO, 

DASS ES WEDER BEFREITE NOCH BEFREIER GIBT!“. 

[Diamant-Prajnaparamita-Sutra]


"NICHTS IST UNMÖGLICH"

 Ch
ính Tâm

Text und Sinngehalt unterliegt strickt den

Mitwirkung für die deutsche Version durch
Freunde der Bodhi-Kontinuum-Zen-Gruppe
 Yen Tu - Bambuswald-Zen-Tradition – Vietnamesischer Zen-Buddhismus.

Đạo Tràng Hằng Giác
Thiền Tông Trúc Lâm Yên Tử – Thiền Tông Việt Nam.

München Vaterstetten 08.Dezember 2020 - 2644



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